Schnappschüsse spontan in Szene gesetzt
Sie verstehen sich alle als Avantgarde-Künstler. Eine Zeitlang haben sich einige von ihnen in Berlin zu der Performance-Gruppe „Kontakt Pure” zusammengeschlossen. Jetzt versucht jeder, seinen eigenen Weg zu gehen. Für ihre Selbstdarstellung benötigen sie Bilder, die - wie ihr Porträtist Martin Muntenbruch meinte - auch ein bißchen dazu dienen, „sich selbst zu finden”.
Deshalb versucht Martin Muntenbruch mit seinen Fotos den Kern ihres Charakters zu treffen. Die Voraussetzungen dazu sind für ihn eine gute Beziehung zwischen Fotograf und Modell und eine gelöste Atmosphäre, die Freiraum für spontane Einfälle läßt. Als Rückrat reicht ihm ein konzeptionelles Gerüst, in dem Location, Aufnahmetechnik und Bildaussage festgelegt sind. Den technischen Aufwand für seine Porträts hält er möglichst gering: eine Pentax-Kleinbildkamera mit Objektiven zwischen 24 und 130 mm, ein Stativ und ein Handblitzgerät reichen ihm.
Aus der Aufnahmesituation heraus entwickeln sich dann spielerisch die Ideen. Martin Muntenbruch stellt den Anspruch, in seinen Momentaufnahmen auch ein wenig von der (oft rätselhaft-unbekannten) Vergangenheit und der ebenso ungewissen Zukunft dieser Personen einfließen zu lassen. Deshalb läßt er die Leute gerne direkt in die Kamera schauen. Bei der Ausleuchtung widmet er den Augen seine ganze Aufmerksamkeit, weil sie „Macht auf den Betrachter ausüben”.
Durch eine harte Verarbeitung bei der Entwicklung (mit Ilford Microphen) und der Vergrößerung (auf Ilford Multigrade 6 oder 7) unterstreicht der 27jährige Layouter und frühere Assistent in einer Werbeagentur die beabsichtigte Bildwirkung. Sämtliche Effekte entstehen erst nach der Aufnahme: nachbelichten, abwedeln und retouschieren.
Damit erreicht er den teilweise sogar finsteren Charakter, der die Dramatik und den Weltschmerz, aber auch die Einsamkeit der jungen Generation, die „ein Stück New York” mit sich bringt, subtil vermittelt. Die Porträts des Berliner Fotografen orientieren sich in ihrer kühlen Distanz an der amerikanischen Fotografie und in ihrem sparsamen Arrangement an japanischen Bildern. Beides steigert di magische Ausdruckskraft seiner „Augen-Blicke”. -pd-